Messen auf dem Prüfstand durch Corona

Messen auf dem Prüfstand durch Corona

Im Moment vergeht kein Tag in der Marketing-Landschaft, an dem nicht irgendwo eine Messe abgesagt, eine Veranstaltung gecancelt oder eine Konferenz verschoben wird. Wenn man bedenkt, welche Summen die Aussteller in Ihre Auftritte stecken, kommen da schnell Ausgaben im 7-stelligen Bereich zustande, ohne einen einzigen Lead generiert zu haben.

Teuer = Besser?

Jedes Jahr lassen sich Firmen ihre Messestände viel Geld kosten, um immer auffälliger, interaktiver oder auch kommunikativer zu werden. Besonders im B2C können so reichlich Kontakte erzeugt und das Image einer Firma profiliert werden. Im B2B betrachte ich die Firmenpräsentation auf einer Messe aus einem eher nüchternen Licht. Große Messestände und industrielle Schwanzvergleiche haben keinen Mehrwert, wenn es darum geht, Lösungen zu finden. Denn um echte Lösungen geht es heutzutage. Die Vertreter einer Branche gehen nicht mehr über eine Messe um sich wirklich grundlegend inspirieren zu lassen. Sie suchen keine Kontakte, die “vielleicht” man hilfreich sein könnten. Der Blick eines Fachbesuchers richtet sich nach Lösungen, die bestehende Probleme lösen, oder für anstehende Projekte als Lösungen in Betracht gezogen werden. Mit solch einer Ausrichtung eines Messekonzeptes holt ein Aussteller den Kunden dort ab, wo er sowieso schon ist. Bei seinem Problem.

Wie kann denn nun konkret so ein Konzept für ein mittelständisches Maschinenbauunternehmen aussehen?

Zunächst einmal meine zwei Leitsätze:
1. Kein Produkt ist so überflüssig, dass man nicht darauf vorbereitet sein sollte.
2. Kein Produkt ist so wichtig, dass man es vor die Menschen des Unternehmens stellt.

Das heißt im Klartext, dass Präsentationsflächen zwar imposant aussehen, aber niemals einen größeren Raum einnehmen sollten als Kommunikationsflächen. Diese Kommunikationsflächen sollen die Möglichkeit geben, um sich ungestört zu unterhalten, sich kennenzulernen und vielleicht auch den Einen oder Anderen Vertragsabschluss hinter einer Tür tätigen zu können. Lautstärke, fehlender Platz oder Laufkundschaft sind hierbei der Feind einer funktionierenden Konversation. Nicht umsonst wird schon länger auf den Fluss des Besuchersstroms geachtet. Interessenten werden vom Besucherstrom getrennt über die Fläche geführt. Warum also nicht auch noch mit den immobilen Strömen rechnen.

Guck mich nicht so an

Messestände sind teuer. Jeder Quadratmeter wird mit viel Geld bezahlt. Aber statt jeden Quadratmeter zu 100% zu planen und architektonisch zu perfektionieren hilft es vielen Vertriebsmitarbeitern, wenn es Raum zur “freien Verfügung” gibt. Zum Beispiel einen Stehtisch, der nicht mit Kugelschreibern vollgepackt ist. Eine freie Ecke, die wenigstens vor den offensichtlichsten Blicken schützt.

Liebe Messebauer, Marketing-Manager, liebe sonstwas.

Mit Corona haben wir die Chance, den echten Wert einer Messe neuzuentdecken. Als einen Ort der Begegnung (sry, klingt wie die Kirche) und des Handels. Nicht des visuellen Overloads mit unendlich viel Müll. Vieles können wir uns sparen. Das würde doch eigentlich allen zugute kommen. Den Mitarbeitern, den Besuchern und der Umwelt.

Weniger Messe ist mehr Messe!

Ruben Vorwald

Baujahr 1988. Erst Mediengestalter - seit 2019 Medienfachwirt. Tobt sich gerne mit diversen Formaten aus und fühlt sich zwischen allen primären, sekundären, tertiären und quartären Medien am wohlsten. Mit Spieltrieb und Experimentierfreude präsentiert er als Websmiler seine Eskapaden aus der Medienwelt.

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